Discoider Lupus erythematodes bei Hund und Katze – wenn die Nase zum Warnsignal wird

Veränderungen an der Nase eines Hundes oder einer Katze wirken zunächst häufig unscheinbar. Die Nase verliert an einzelnen Stellen ihre Pigmentierung, wird gerötet oder schuppig. Später können Krusten, Erosionen oder sogar offene, schlecht heilende Hautstellen entstehen.

Gerade Veränderungen am Nasenspiegel sollten jedoch ernst genommen werden, denn hinter einem solchen Erscheinungsbild können sehr unterschiedliche Erkrankungen stecken. Neben Infektionen, anderen immunvermittelten Hauterkrankungen und chronischen Entzündungen müssen insbesondere bei der Katze auch neoplastische Erkrankungen wie das Plattenepithelkarzinom differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden.

Eine mögliche Ursache ist der discoide Lupus erythematodes (DLE).

Was ist ein discoider Lupus erythematodes?

Der discoide Lupus erythematodes gehört zu den immunvermittelten Hauterkrankungen. Dabei richtet sich die Immunreaktion gegen körpereigene Strukturen der Haut.

Im Gegensatz zum systemischen Lupus erythematodes, bei dem unterschiedliche Organe und Organsysteme betroffen sein können, beschränkt sich der klassische DLE überwiegend auf die Haut.

Besonders typisch sind Veränderungen am Planum nasale, dem Nasenspiegel.

Beim Hund gehört DLE zu den wichtigen Differenzialdiagnosen bei chronisch entzündlichen und depigmentierenden Veränderungen der Nase. Bei Katzen ist die Erkrankung wesentlich seltener beschrieben. Gerade deshalb sollte bei entsprechenden Veränderungen nicht allein aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes eine Diagnose gestellt werden.

Wie kann sich DLE zeigen?

Ein frühes Zeichen kann der Verlust der normalen Pigmentierung des Nasenspiegels sein.

Die normalerweise deutlich erkennbare Oberflächenstruktur der Nase kann zunehmend verschwinden. Die Oberfläche erscheint glatter und verändert ihre Farbe.

Im weiteren Verlauf können auftreten:

Auch angrenzende Hautbereiche können betroffen sein.

Ein wichtiger Faktor ist UV-Strahlung. Bei kutanen Lupuserkrankungen können sich Hautveränderungen unter Sonneneinstrahlung verstärken. Konsequenter Lichtschutz gehört deshalb zu den wichtigen begleitenden Maßnahmen.

Warum DLE mit einem Tumor verwechselt werden kann

Besonders interessant ist die Differenzialdiagnostik bei Veränderungen des Nasenspiegels.

Chronische Krusten, Erosionen, Ulzerationen oder schlecht heilende Läsionen können äußerlich durchaus den Eindruck einer neoplastischen Erkrankung erwecken.

Bei Katzen muss insbesondere an das Plattenepithelkarzinom gedacht werden. Es tritt häufig an wenig pigmentierten und sonnenexponierten Bereichen wie Nasenspiegel und Ohrmuscheln auf.

Aber auch andere Erkrankungen können ähnlich aussehen. Dazu gehören unter anderem:

Pemphigus-Erkrankungen, bakterielle Infektionen, Dermatophytosen, parasitäre Erkrankungen, Herpesvirus-assoziierte Dermatitiden der Katze, andere immunvermittelte Dermatosen sowie verschiedene neoplastische Erkrankungen.

Genau deshalb gilt:

Das Aussehen allein reicht für die Diagnose nicht aus.

Die wichtigste Untersuchung: Hautbiopsie

Bei chronischen, erosiven oder ulzerativen Veränderungen des Nasenspiegels ist eine histopathologische Untersuchung häufig der entscheidende diagnostische Schritt.

Dazu werden kleine Gewebeproben aus geeigneten Hautveränderungen entnommen und durch einen veterinärmedizinischen Pathologen untersucht.

Wichtig ist die Auswahl geeigneter Biopsiestellen. Möglichst frische und diagnostisch aussagekräftige Läsionen sind häufig hilfreicher als vollständig zerstörtes oder sekundär infiziertes Gewebe.

Bei DLE können histologisch typische Veränderungen einer sogenannten Interface-Dermatitis gefunden werden. Dabei spielen sich charakteristische Entzündungsreaktionen im Übergangsbereich zwischen Epidermis und Dermis ab.

Die Histopathologie hilft gleichzeitig dabei, wichtige Differenzialdiagnosen – insbesondere neoplastische Veränderungen – voneinander abzugrenzen.

Welche Blutuntersuchungen sind sinnvoll?

Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig:

DLE ist in erster Linie eine dermatologische Erkrankung und keine Diagnose, die durch einen einzelnen Blutwert bestätigt werden kann.

Ein normales Blutbild oder ein negativer ANA-Test schließen einen discoiden Lupus daher nicht automatisch aus.

Trotzdem kann eine weiterführende Labordiagnostik sinnvoll sein, insbesondere wenn zusätzliche Symptome vorhanden sind.

Zur Basisdiagnostik können gehören:

Großes Blutbild

Es gibt Hinweise auf Anämien, Veränderungen der Leukozyten oder Thrombozyten und kann bei der Beurteilung möglicher systemischer Erkrankungen helfen.

Klinische Chemie

Leber- und Nierenparameter, Gesamtprotein, Albumin, Globuline und weitere Organparameter geben einen Überblick über den Allgemeinzustand.

Urinuntersuchung

Sie ist insbesondere dann wichtig, wenn ein systemischer Lupus oder eine andere systemische Erkrankung ausgeschlossen werden soll. Dabei sollte gegebenenfalls auch auf Proteinverlust über die Nieren geachtet werden.

ANA – antinukleäre Antikörper

Der ANA-Test spielt vor allem bei Verdacht auf einen systemischen Lupus erythematodes eine Rolle. Für die alleinige Diagnose eines DLE ist er dagegen nicht ausreichend.

Je nach klinischem Bild können weitere Untersuchungen notwendig werden.

Weitere dermatologische Diagnostik

Bevor eine Autoimmunerkrankung angenommen wird, sollten mögliche andere Ursachen berücksichtigt werden.

Dazu können je nach Befund gehören:

Hautgeschabsel, zytologische Untersuchungen, Untersuchung auf Dermatophyten, bakterielle Kultur bei entsprechendem Verdacht und gegebenenfalls weitere mikrobiologische Untersuchungen.

Bei Katzen mit ulzerativen Veränderungen im Gesichts- und Nasenbereich muss beispielsweise auch eine Herpesvirus-assoziierte Dermatitis differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden.

Diagnostik bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Laborwerte anzufordern, sondern anhand des klinischen Erscheinungsbildes Schritt für Schritt relevante Differenzialdiagnosen auszuschließen.

Konventionelle Therapie

Die Therapie richtet sich nach Ausprägung und Schweregrad der Erkrankung.

Bei lokalisierten Veränderungen können lokal wirksame entzündungshemmende oder immunmodulierende Medikamente eingesetzt werden. Bei ausgeprägten Erkrankungen kann eine systemische immunsuppressive bzw. immunmodulierende Therapie erforderlich sein.

Welche Therapie geeignet ist, muss individuell durch den behandelnden Tierarzt entschieden werden.

Ein wesentlicher Bestandteil des Managements ist außerdem der Schutz vor intensiver UV-Strahlung.

Naturheilkundliche Begleittherapie – das Immunsystem nicht einfach „stimulieren“

Gerade bei Autoimmunerkrankungen sollte naturheilkundlich sehr differenziert gearbeitet werden.

Das therapeutische Ziel kann nicht darin bestehen, das Immunsystem möglichst stark zu „aktivieren“. Bei einer Autoimmunerkrankung besteht schließlich bereits eine fehlgeleitete Immunreaktion.

Sinnvoller ist ein regulativer Ansatz.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Reduktion entzündlicher Belastungen, die Unterstützung einer physiologischen Hautbarriere, eine bedarfsgerechte Versorgung mit essenziellen Nährstoffen und die individuelle Berücksichtigung möglicher zusätzlicher Belastungsfaktoren.

Naturheilkundliche Maßnahmen ersetzen dabei nicht die notwendige Diagnostik und gegebenenfalls erforderliche immunsuppressive Behandlung.

Omega-3-Fettsäuren und essenzielle Fettsäuren

Fettsäuren besitzen eine besondere Bedeutung für Haut und Entzündungsregulation.

Essenzielle Fettsäuren sind Bestandteile der Zellmembranen und der epidermalen Hautbarriere. Bestimmte Fettsäuren können außerdem den Arachidonsäurestoffwechsel beeinflussen und dadurch die Bildung verschiedener Entzündungsmediatoren modulieren.

In der veterinärmedizinischen Dermatologie werden essenzielle Fettsäuren deshalb auch unterstützend bei entzündlichen und krustenbildenden Hauterkrankungen eingesetzt.

Besonders interessant sind dabei die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA.

Eine Supplementierung sollte jedoch immer an Tierart, Körpergewicht, Gesamtration und bestehende Erkrankungen angepasst werden.

Ernährung bei Autoimmunerkrankungen

Auch die Ernährung verdient bei chronisch entzündlichen Erkrankungen Aufmerksamkeit.

Dabei sollte jedoch nicht pauschal ein einzelnes Lebensmittel für die Entstehung oder Verschlechterung einer Autoimmunerkrankung verantwortlich gemacht werden.

Entscheidend ist vielmehr eine vollwertige, bedarfsdeckende und individuell verträgliche Fütterung.

Bei Hunden und insbesondere bei Katzen muss berücksichtigt werden, dass beide Tierarten unterschiedliche ernährungsphysiologische Bedürfnisse besitzen. Die Katze ist ein obligater Karnivore und auf bestimmte Nährstoffe tierischen Ursprungs angewiesen.

Eine entzündungsbewusste Ernährung darf deshalb niemals zu einer Unterversorgung führen.

Bei Verdacht auf eine zusätzliche Futtermittelunverträglichkeit oder Futtermittelallergie kann eine konsequent durchgeführte Eliminationsdiät diagnostisch sinnvoll sein.

Ständig wechselnde Proteinquellen oder willkürliche Verbote einzelner Fleischsorten sind dagegen keine zuverlässige Methode zur Behandlung einer Autoimmunerkrankung.

Darm und Immunsystem

Der Darm und das Immunsystem stehen in engem physiologischem Austausch. Die intestinale Barriere, das darmassoziierte Immunsystem und das Mikrobiom sind wichtige Bestandteile der Immunhomöostase.

Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jede Autoimmunerkrankung durch eine sogenannte „Darmsanierung“ behandelt werden kann.

Bei Tieren mit zusätzlichen gastrointestinalen Beschwerden kann es sinnvoll sein, Verdauung, Fütterung und Darmgesundheit gezielt zu untersuchen und vorhandene Störungen zu behandeln.

Auch hier gilt: gezielt statt nach Schema.

Antioxidativer Schutz

Chronische Entzündungsprozesse können mit erhöhtem oxidativem Stress verbunden sein.

Eine ausreichende Versorgung mit antioxidativ wirksamen Mikronährstoffen ist deshalb grundsätzlich wichtig. Dazu gehören unter anderem Vitamin E sowie verschiedene körpereigene antioxidative Systeme.

Eine hochdosierte Supplementierung nach dem Prinzip „viel hilft viel“ ist jedoch nicht sinnvoll. Besonders bei Katzen können ungeeignete Dosierungen oder Präparate problematisch sein.

Die Grundlage sollte immer eine bedarfsgerechte Ernährung bilden.

Lichtschutz ist Therapie

Dieser Punkt wird leicht unterschätzt.

Bei kutanen Lupuserkrankungen kann UV-Strahlung Hautveränderungen auslösen oder bestehende Läsionen verschlechtern.

Betroffene Tiere sollten deshalb intensive Sonneneinstrahlung möglichst vermeiden.

Spaziergänge können beim Hund beispielsweise stärker in die Morgen- und Abendstunden gelegt werden. Katzen mit entsprechenden Läsionen sollten insbesondere während intensiver Sonneneinstrahlung nicht stundenlang ungeschützt in der Sonne liegen.

Bei geeigneten Sonnenschutzpräparaten muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sie für die jeweilige Tierart verträglich sind. Produkte für Menschen sind nicht automatisch für Hund oder Katze geeignet.

Ein Symptom – viele mögliche Ursachen

Eine verkrustete, depigmentierte oder ulzerierte Nase bedeutet nicht automatisch Lupus.

Und sie bedeutet auch nicht automatisch Krebs.

Gerade das macht Erkrankungen des Nasenspiegels diagnostisch so interessant.

DLE, Pemphigus, Infektionen, UV-bedingte Veränderungen und neoplastische Erkrankungen können sich äußerlich ähneln. Besonders bei der Katze sollte bei chronischen Veränderungen des Nasenspiegels eine neoplastische Erkrankung sorgfältig ausgeschlossen werden.

Eine frühzeitige dermatologische Diagnostik und gegebenenfalls eine Hautbiopsie können hier entscheidend sein.

Der discoide Lupus erythematodes zeigt gleichzeitig sehr schön, warum bei Autoimmunerkrankungen ein integrativer Therapieansatz sinnvoll sein kann: Eine gesicherte Diagnose und notwendige schulmedizinische Behandlung bilden die Grundlage. Ernährung, Hautbarriere, Fettsäureversorgung, UV-Schutz und individuell ausgewählte naturheilkundliche Maßnahmen können diese Therapie sinnvoll begleiten.

Nicht das Immunsystem maximal anzuregen, sondern die überschießende Immunreaktion möglichst gut zu regulieren und den Organismus insgesamt zu unterstützen, sollte dabei im Mittelpunkt stehen.

 

Literatur und Quellen

Olivry T, Linder KE, Banovic F. Cutaneous lupus erythematosus in dogs: a comprehensive review. BMC Veterinary Research. 2018;14:132.
Umfassende Übersichtsarbeit zu den verschiedenen Formen des kutanen Lupus erythematodes beim Hund, einschließlich klinischem Erscheinungsbild, Diagnostik, Histopathologie und Therapie.

Banovic F. Canine Cutaneous Lupus Erythematosus: Newly Discovered Variants. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice. 2019;49(1):37–45.
Übersicht über verschiedene Formen des kutanen Lupus erythematodes beim Hund und deren klinische sowie histopathologische Merkmale.

Griffin CE, Stannard AA, Ihrke PJ, Ardans AA, Cello RM, Bjorling DR. Canine discoid lupus erythematosus. Veterinary Immunology and Immunopathology. 1979;1(1):79–87.
Eine der grundlegenden veterinärmedizinischen Veröffentlichungen zum discoiden Lupus erythematodes beim Hund. Beschrieben werden unter anderem Erythem und Depigmentierung des Nasenspiegels.

Banovic F, Olivry T, Linder KE. Ciclosporin therapy for canine generalized discoid lupus erythematosus refractory to doxycycline and niacinamide. Veterinary Dermatology. 2014;25.
Fallbeschreibung mit ausführlicher diagnostischer Abklärung einschließlich Blutbild, klinischer Chemie, Urinuntersuchung, ANA-Test und histopathologischer Untersuchung von Hautbiopsien.

Banovic F et al. Clinical and microscopic features of generalized discoid lupus erythematosus in dogs (10 cases). Veterinary Dermatology. 2016.
Untersuchung zu klinischen und histopathologischen Merkmalen des generalisierten discoiden Lupus beim Hund. Typische histologische Befunde umfassen unter anderem eine lymphozytenreiche Interface-Dermatitis.

Wiemelt SP, Goldschmidt MH, Greek JS, Jeffers JG, Wiemelt AP, Mauldin EA. A retrospective study comparing the histopathological features and response to treatment in two canine nasal dermatoses, DLE and mucocutaneous pyoderma. Veterinary Dermatology. 2004;15(6):341–348.
Interessante Arbeit zur Differenzialdiagnostik von Erkrankungen des Nasenspiegels und zur Abgrenzung von DLE gegenüber mukokutaner Pyodermie.

White SD. Diseases of the nasal planum. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice. 1994;24(5):887–895.
Übersichtsarbeit zu Erkrankungen des Nasenspiegels bei Hund und Katze. Hervorgehoben wird die Bedeutung der Hautbiopsie bei klinisch ähnlich erscheinenden Erkrankungen. Bei Katzen wird insbesondere das Plattenepithelkarzinom des Nasenspiegels als wichtige Differenzialdiagnose beschrieben.

Merck Veterinary Manual. Essential Fatty Acids for Integumentary Disease in Animals. Aktualisierte veterinärmedizinische Fachinformation.
Beschreibt die Bedeutung essenzieller Fettsäuren für Hautbarriere und Entzündungsregulation bei Hund und Katze. Essenzielle Fettsäuren werden unter anderem als unterstützende Maßnahme bei krustenbildenden Erkrankungen wie dem discoiden Lupus erythematodes aufgeführt.

Hinweis

Die naturheilkundlichen und ernährungsmedizinischen Maßnahmen bei DLE sind als individuell auszuwählende Begleittherapie zu verstehen. Insbesondere bei chronischen, erosiven oder ulzerativen Veränderungen des Nasenspiegels sollte vor einer Behandlung eine eindeutige tierärztliche Diagnose angestrebt werden. Eine Hautbiopsie mit histopathologischer Untersuchung besitzt hierbei einen besonderen Stellenwert.

 

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