Hypoparathyreoidismus bei Hund, Katze und Pferd
Eine selten erkannte Ursache für Muskelkrämpfe, Zittern und neurologische Symptome
Nicht jede neurologische Auffälligkeit oder jeder Krampfanfall hat seinen Ursprung im Gehirn. Manchmal steckt die Ursache in einem winzigen Organ, das kaum größer als ein Reiskorn ist – den Nebenschilddrüsen.
Der Hypoparathyreoidismus gehört zu den selten diagnostizierten hormonellen Erkrankungen bei Hund, Katze und Pferd. Obwohl er vergleichsweise selten beschrieben wird, vermuten viele Therapeuten, dass leichte oder beginnende Formen häufiger vorkommen könnten, als derzeit angenommen wird. Die Beschwerden sind oft unspezifisch und werden leicht anderen Erkrankungen zugeordnet.
Die Aufgabe der Nebenschilddrüsen
Die Nebenschilddrüsen produzieren das Parathormon (PTH). Dieses Hormon ist für die Regulation des Calcium- und Phosphathaushalts verantwortlich.
Calcium erfüllt im Körper zahlreiche lebenswichtige Aufgaben:
- Muskelkontraktion
- Reizleitung der Nerven
- Herzfunktion
- Blutgerinnung
- Knochenstoffwechsel
- Aktivierung zahlreicher Enzyme
Sinkt die Produktion des Parathormons, fällt der Calciumspiegel im Blut ab. Gleichzeitig steigt häufig der Phosphatgehalt an. Die Folge ist eine Übererregbarkeit von Muskeln und Nervenzellen.
Mögliche Ursachen
Die Erkrankung kann verschiedene Ursachen haben.
Autoimmunerkrankungen
Das Immunsystem richtet sich gegen das Nebenschilddrüsengewebe und zerstört nach und nach die hormonbildenden Zellen.
Chirurgische Eingriffe
Nach Operationen an der Schilddrüse können die Nebenschilddrüsen versehentlich verletzt oder entfernt werden.
Angeborene Entwicklungsstörungen
Bei einigen Tieren sind die Nebenschilddrüsen von Geburt an nur unzureichend entwickelt.
Entzündliche Prozesse
Seltene Entzündungen oder Durchblutungsstörungen können die Funktion beeinträchtigen.
Idiopathische Formen
Nicht selten bleibt die eigentliche Ursache ungeklärt.
Typische Symptome
Der Calciummangel wirkt sich vor allem auf Muskeln und Nervensystem aus.
Häufig beobachtet werden:
- Muskelzittern
- Muskelkrämpfe
- steifer Gang
- Schwäche
- schnelle Ermüdung
- Unsicherheit beim Laufen
- Koordinationsstörungen
- Nervosität
- erhöhte Schreckhaftigkeit
- Unruhe
- Hecheln
- Zähneklappern
- Gesichtszuckungen
- Krampfanfälle
- Herzrhythmusstörungen
- Fressunlust
- Gewichtsverlust
- Kolikähnliche Beschwerden beim Pferd
Im fortgeschrittenen Stadium können lebensbedrohliche Krampfanfälle auftreten.
Erkrankungen, mit denen Hypoparathyreoidismus verwechselt werden kann
Da die Symptome sehr unterschiedlich ausfallen können, wird zunächst häufig an andere Erkrankungen gedacht.
Unter anderem kommen folgende Differentialdiagnosen infrage:
- Epilepsie
- Bandscheibenerkrankungen
- Arthrose
- Spondylose
- Cauda-equina-Syndrom
- Wobbler-Syndrom
- Vestibularsyndrom
- degenerative Myelopathie
- Tetanie anderer Ursache
- Magnesiummangel
- Hypoglykämie
- Lebererkrankungen
- Nierenerkrankungen
- Vergiftungen
- Borreliose
- Meningitis
- Myositiden
- Elektrolytstörungen anderer Ursache
- Angst- oder Verhaltensstörungen
Gerade Tiere mit wiederkehrendem Muskelzittern oder unerklärlichen Krampfanfällen sollten daher auch hinsichtlich ihres Calciumstoffwechsels untersucht werden.
Besonderheiten bei Hund, Katze und Pferd
Hund
Beim Hund wird der Hypoparathyreoidismus am häufigsten beschrieben.
Typisch sind:
- Muskelzittern
- Krampfanfälle
- steifer Gang
- Nervosität
- Gesichtszuckungen
- Pfotenheben
- Herzrhythmusstörungen
Viele Hunde werden zunächst wegen Epilepsie behandelt, obwohl die Ursache eine schwere Hypokalzämie sein kann.
Katze
Bei Katzen tritt die Erkrankung deutlich seltener auf.
Mögliche Symptome sind:
- Muskelzittern
- allgemeine Schwäche
- verminderter Appetit
- Gewichtsverlust
- Krampfanfälle
- Teilnahmslosigkeit
Da Katzen Beschwerden häufig lange kompensieren, erfolgt die Diagnose oft erst spät.
Pferd
Beim Pferd ist ein echter primärer Hypoparathyreoidismus äußerst selten beschrieben. Dennoch können Störungen des Calciumstoffwechsels ähnliche klinische Bilder hervorrufen.
Mögliche Symptome:
- Muskelzittern
- Muskelsteifheit
- Leistungsschwäche
- schnelle Ermüdung
- Stolpern
- Gangunreinheiten
- Kolikähnliche Beschwerden
- erhöhte Nervosität
- Muskelkrämpfe
Hier sollte immer eine umfassende Abklärung des Mineralstoff- und Elektrolythaushaltes erfolgen.
Die Diagnostik
Die Diagnose erfolgt über eine Kombination verschiedener Laboruntersuchungen.
Wichtige Parameter sind:
- Gesamtcalcium
- ionisiertes Calcium
- Phosphat
- Parathormon (PTH)
- Magnesium
- Vitamin D
- Nierenwerte
- Albumin
Besonders das ionisierte Calcium besitzt eine hohe Aussagekraft, da es die biologisch aktive Calciumfraktion widerspiegelt.
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad.
Bei akuten Notfällen erfolgt unter tierärztlicher Überwachung eine intravenöse Calciumgabe.
Langfristig besteht die Behandlung meist aus:
- Calciumpräparaten
- aktivem Vitamin D (Calcitriol)
- regelmäßigen Blutkontrollen
- Anpassung der Dosierung
- Kontrolle des Phosphatspiegels
Eine gute Einstellung ermöglicht vielen Tieren ein nahezu normales Leben.
Ganzheitliche Begleitmaßnahmen
Aus naturheilkundlicher Sicht kann die tierärztliche Therapie sinnvoll begleitet werden. Ziel ist jedoch nicht, das fehlende Parathormon zu ersetzen – dies ist naturheilkundlich nicht möglich.
Je nach individueller Situation können unterstützend sinnvoll sein:
- bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung
- Optimierung der Darmgesundheit zur Förderung der Mineralstoffaufnahme
- entzündungshemmende Ernährung
- Stressreduktion
- angepasste Bewegung
- Unterstützung der Muskulatur
- regelmäßige Kontrolle des Calcium- und Phosphathaushalts
Eine naturheilkundliche Begleitung sollte immer ergänzend zur tierärztlichen Behandlung erfolgen.
Fazit
Der Hypoparathyreoidismus gehört zwar zu den selten diagnostizierten endokrinen Erkrankungen, sollte jedoch insbesondere bei ungeklärtem Muskelzittern, Krämpfen oder wiederkehrenden neurologischen Symptomen als Differentialdiagnose in Betracht gezogen werden.
Die Beschwerden können leicht mit Epilepsie, orthopädischen Erkrankungen oder anderen neurologischen Störungen verwechselt werden. Eine gezielte Untersuchung des Calciumstoffwechsels kann in solchen Fällen entscheidende Hinweise liefern und den betroffenen Tieren eine wirksame Behandlung ermöglichen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Die beschriebenen naturheilkundlichen Maßnahmen verstehen sich als begleitende Unterstützung und nicht als Ersatz einer medizinisch notwendigen Therapie.