Zeckenzeit bei Hund und Pferd – naturheilkundliche Möglichkeiten zur Abwehr
Mit den ersten warmen Tagen im Frühjahr beginnt für viele Tierhalter eine bekannte Herausforderung: die Zeckenzeit. Sobald die Temperaturen dauerhaft über etwa sieben Grad steigen, werden Zecken aktiv. Sie lauern in hohem Gras, im Unterholz, an Waldrändern oder auch im heimischen Garten und warten auf einen vorbeikommenden Wirt.
Für Hunde und Pferde können Zecken nicht nur lästig sein, sondern auch Krankheitserreger übertragen. Dazu gehören beispielsweise Borrelien, Anaplasmen oder Babesien. Deshalb ist es sinnvoll, Tiere in der warmen Jahreszeit regelmäßig zu kontrollieren und vorbeugende Maßnahmen zu treffen.
Viele Tierhalter wünschen sich dabei eine möglichst natürliche Zeckenabwehr – besonders dann, wenn ihre Tiere empfindlich auf chemische Präparate reagieren.
Warum Zecken Tiere so gut finden
Zecken orientieren sich vor allem über Körperwärme, Geruchsstoffe und ausgeatmetes Kohlendioxid. Sie erkennen sehr genau, wenn ein potenzieller Wirt vorbeikommt.
Interessant ist, dass manche Tiere deutlich häufiger von Zecken befallen werden als andere. Das hängt vermutlich mit individuellen Geruchsstoffen der Haut, dem Hautmikrobiom sowie dem allgemeinen Stoffwechsel zusammen.
Genau hier setzen viele naturheilkundliche Ansätze an: Sie versuchen, den Körpergeruch oder die Hautumgebung so zu verändern, dass Zecken das Tier weniger attraktiv finden.
Naturheilkundliche Möglichkeiten zur Zeckenabwehr
Pflanzliche Öle
Bestimmte Pflanzen enthalten ätherische Öle, die Zecken als unangenehm empfinden.
Dazu gehören beispielsweise:
Lavendel
Geranie (Pelargonium graveolens)
Zedernholz
Rosengeranie
Citronella
Bei Hunden können sehr stark verdünnte ätherische Öle in einem Trägeröl oder Hydrolat äußerlich angewendet werden, zum Beispiel als Spray oder als Tropfen im Fellansatz.
Wichtig: Die Dosierung muss sehr vorsichtig erfolgen. Hunde reagieren empfindlicher auf ätherische Öle als Menschen.
Bei Katzen sollte man mit ätherischen Ölen sehr zurückhaltend sein oder sie ganz meiden, da Katzen bestimmte Inhaltsstoffe nicht gut verstoffwechseln können.
Pflanzliche Futterzusätze
Manche Tierhalter berichten gute Erfahrungen mit bestimmten Kräutern im Futter, die den Körpergeruch verändern können.
Dazu gehören zum Beispiel:
Bierhefe
Kokosflocken oder Kokosöl
Knoblauch in sehr kleinen Mengen (nur bei Hunden und nicht dauerhaft)
Cistus (Zistrose)
Kokosöl enthält Laurinsäure, die von vielen Insekten als unangenehm empfunden wird. Es kann sowohl innerlich in kleinen Mengen als auch äußerlich ins Fell eingerieben werden.
Hydrolate
Eine sanfte Alternative zu ätherischen Ölen sind Hydrolate, also Pflanzenwasser. Lavendelhydrolat oder Zistrosenhydrolat können beispielsweise als mildes Spray auf Fell oder Beine gegeben werden.
Das ist besonders bei empfindlichen Tieren oft eine gute Lösung.
Homöopathische und konstitutionelle Ansätze
In der klassischen Tiernaturheilkunde wird manchmal auch versucht, das Tier konstitutionell zu unterstützen. Ziel ist dabei, den Gesamtorganismus zu stabilisieren und das Hautmilieu zu verändern.
Hier kann je nach Tier eine individuelle homöopathische Begleitung sinnvoll sein.
Wichtig ist jedoch: Naturheilkundliche Maßnahmen können helfen, ersetzen aber keine regelmäßige Kontrolle des Tieres auf Zecken.
Zecken richtig entfernen
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es immer wieder vorkommen, dass sich eine Zecke festbeißt. Dann sollte sie möglichst schnell entfernt werden.
Am besten gelingt das mit:
einer Zeckenzange
einer Zeckenkarte
einer feinen Pinzette
Die Zecke wird möglichst nah an der Haut gefasst und langsam gerade herausgezogen. Wichtig ist, nicht am Körper der Zecke zu drücken, da sonst möglicherweise Krankheitserreger in die Wunde gelangen können.
Alte Hausmittel wie Öl, Alkohol oder Klebstoff sollte man nicht verwenden. Sie können dazu führen, dass die Zecke Stressreaktionen zeigt und vermehrt Speichel oder Darminhalt abgibt.
Nach dem Entfernen kann die Stelle desinfiziert und einige Tage beobachtet werden.
Vorsicht bei manchen Hausmitteln
Im Internet kursieren viele Tipps zur natürlichen Zeckenabwehr. Einige davon sind jedoch für Tiere problematisch oder sogar gefährlich.
Dazu gehören zum Beispiel:
Teebaumöl bei Katzen (kann toxisch wirken)
hochkonzentrierte ätherische Öle
Knoblauch in zu großen Mengen
ätherische Öle direkt auf die Haut ohne Verdünnung
Gerade Katzen reagieren auf viele ätherische Öle empfindlich, weil ihnen bestimmte Entgiftungsenzyme in der Leber fehlen.
Deshalb gilt in der Tiernaturheilkunde immer der Grundsatz: lieber mild und vorsichtig dosieren.
Die wichtigste Maßnahme bleibt Aufmerksamkeit
Auch wenn naturheilkundliche Methoden eine gute Unterstützung sein können, bleibt die wichtigste Maßnahme die regelmäßige Kontrolle des Fells.
Nach Spaziergängen durch Wiesen oder Wald sollten Hunde und Pferde kurz abgesucht werden – besonders an warmen Körperstellen wie Ohren, Hals, Achseln oder zwischen den Beinen.
Je schneller eine Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Krankheitsübertragung.
Naturheilkunde kann hier eine wertvolle Ergänzung sein: Sie stärkt den Organismus, unterstützt ein gesundes Hautmilieu und kann dazu beitragen, dass Zecken das Tier weniger attraktiv finden.
Naturheilkundliche Zeckensprays zum Selbermachen
Viele Tierhalter möchten einfache und möglichst natürliche Lösungen zur Zeckenabwehr ausprobieren. Kräuterhydrolate und stark verdünnte ätherische Öle können hier eine sanfte Unterstützung sein. Wichtig ist immer eine vorsichtige Dosierung und eine gute Verträglichkeit für das Tier.
Grundsätzlich gilt: Katzen reagieren auf viele ätherische Öle empfindlich. Für Katzen sind daher Hydrolate meist die bessere und sicherere Variante.
Sanftes Zeckenspray für Hunde
Zutaten
100 ml abgekochtes, abgekühltes Wasser
1 Teelöffel Alkohol oder Apfelessig als Emulgator
2 Tropfen Lavendelöl
2 Tropfen Rosengeranienöl
1 Tropfen Zedernholzöl
Zubereitung
Alle Zutaten in eine dunkle Sprühflasche geben und gut schütteln.
Anwendung
Vor Spaziergängen leicht auf Beine, Brust und Bauch sprühen oder in die Hände geben und ins Fell einreiben. Augen, Nase und Schleimhäute aussparen.
Hinweis
Vor der ersten Anwendung immer eine kleine Menge an einer Fellstelle testen, um zu prüfen, ob das Tier empfindlich reagiert.
Hydrolat-Spray für empfindliche Hunde oder Katzen
Zutaten
100 ml Lavendelhydrolat oder Zistrosenhydrolat
Zubereitung
Das Hydrolat einfach in eine Sprühflasche füllen.
Anwendung
Vor dem Spaziergang leicht über Beine und Bauch sprühen oder auf eine Bürste geben und damit das Fell durchbürsten.
Diese Variante ist besonders mild und daher für empfindliche Tiere besser geeignet.
Kokosöl-Schutz für Fell und Haut
Eine sehr einfache Möglichkeit ist auch Kokosöl.
Anwendung
Eine kleine Menge Kokosöl in den Händen schmelzen lassen und vor dem Spaziergang in Beine, Brust und Bauchbereich einreiben.
Der Geruch der enthaltenen Laurinsäure wird von vielen Zecken gemieden. Gleichzeitig pflegt Kokosöl Haut und Fell.
Wichtiger Hinweis
Naturheilkundliche Maßnahmen können helfen, ersetzen aber keine regelmäßige Fellkontrolle. Nach Spaziergängen durch Wiesen oder Wald sollte das Tier immer kurz abgesucht werden, damit Zecken möglichst früh entdeckt und entfernt werden können.