Arthrose der Facettengelenke bei Hund und Pferd – wenn kleine Gelenke große Schmerzen verursachen
Arthrose wird häufig mit Hüfte, Knie oder Ellenbogen in Verbindung gebracht. Weniger bekannt ist jedoch, dass auch die kleinen Wirbelgelenke der Wirbelsäule – die sogenannten Facettengelenke – von degenerativen Veränderungen betroffen sein können. Gerade bei älteren Tieren, nach Verletzungen oder bei langjährigen Fehlbelastungen entwickeln sich hier schmerzhafte Arthrosen, die häufig erst spät erkannt werden.
Sowohl beim Hund als auch beim Pferd können Veränderungen der Facettengelenke zu erheblichen Bewegungseinschränkungen führen und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Was sind Facettengelenke?
Facettengelenke verbinden die einzelnen Wirbel miteinander. Sie sorgen dafür, dass die Wirbelsäule gleichzeitig stabil und beweglich bleibt. Bei jedem Schritt, Sprung oder jeder Drehbewegung werden diese kleinen Gelenke belastet.
Mit zunehmendem Alter, durch Überlastungen, Fehlstellungen, Traumata oder chronische Fehlbelastungen kann sich der Gelenkknorpel langsam abbauen. Die Folge sind Entzündungen, Schmerzen und knöcherne Veränderungen – die Facettengelenksarthrose.
Mögliche Ursachen
Die Entstehung einer Facettengelenksarthrose wird durch verschiedene Faktoren begünstigt:
- altersbedingter Knorpelverschleiß
- chronische Fehlbelastungen
- Übergewicht
- muskuläre Dysbalancen
- Bandscheibenveränderungen
- Verletzungen oder Stürze
- intensive sportliche Belastung
- angeborene Fehlstellungen der Wirbelsäule
Beim Pferd spielen zusätzlich reiterliche Einflüsse, schlecht angepasste Sättel oder langjährige Trainingsfehler häufig eine Rolle.
Typische Symptome
Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend.
Beim Hund können unter anderem auftreten:
- Steifigkeit nach dem Aufstehen
- Bewegungsunlust
- Schwierigkeiten beim Springen oder Treppensteigen
- Berührungsempfindlichkeit im Rücken
- verspannte Rückenmuskulatur
- verminderte Spielfreude
- verändertes Gangbild
- Schmerzäußerungen beim Drehen oder Aufstehen
Beim Pferd zeigen sich häufig:
- Rittigkeitsprobleme
- Taktunreinheiten
- Schwierigkeiten bei Biegungen
- Probleme beim Angaloppieren
- verminderte Tragkraft
- Rückenverspannungen
- Leistungseinbruch
- Unwilligkeit unter dem Reiter
Da die Symptome oft unspezifisch sind, wird die eigentliche Ursache nicht immer sofort erkannt.
Auswirkungen auf den gesamten Bewegungsapparat
Schmerzen verändern automatisch das Bewegungsmuster. Um schmerzhafte Bereiche zu entlasten, entwickeln viele Tiere sogenannte Schonhaltungen. Dadurch werden andere Muskelgruppen dauerhaft überlastet.
Nicht selten entstehen zusätzlich:
- Muskelverspannungen
- Blockaden
- Sehnen- und Bänderprobleme
- Gelenküberlastungen
- chronische Schmerzsyndrome
- eingeschränkte Beweglichkeit der gesamten Wirbelsäule
Je früher eine Behandlung erfolgt, desto besser lassen sich diese Folgebelastungen vermeiden.
Ganzheitliche Behandlungsmöglichkeiten
Eine naturheilkundliche Therapie verfolgt das Ziel, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und den Organismus bestmöglich zu unterstützen. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt immer von der individuellen Situation des Tieres ab.
Mögliche unterstützende Verfahren sind beispielsweise:
- osteopathische Behandlung
- sanfte chiropraktische Techniken
- Physiotherapie
- gezielter Muskelaufbau
- angepasste Bewegungstherapie
- Gewichtsmanagement
- Wärmeanwendungen
- Akupunktur
- Lasertherapie
- Magnetfeldtherapie
Naturheilkundliche Unterstützung
Je nach individuellem Befund können ergänzend verschiedene naturheilkundliche Verfahren eingesetzt werden.
Dazu gehören unter anderem:
- individuell ausgewählte homöopathische Arzneimittel
- pflanzliche Präparate mit entzündungshemmenden Eigenschaften
- Vitalpilze
- Mikronährstoffe zur Unterstützung des Knorpelstoffwechsels
- Omega-3-Fettsäuren
- gelenkunterstützende Ergänzungsfuttermittel
Auch bioenergetische Verfahren können ergänzend eingesetzt werden, sofern sie fachgerecht angewendet werden.
Prognose
Eine Arthrose der Facettengelenke lässt sich nicht vollständig rückgängig machen. Durch eine frühzeitige Diagnose sowie eine individuell abgestimmte Kombination aus tierärztlicher Therapie, Bewegung, Physiotherapie und naturheilkundlicher Unterstützung lässt sich jedoch häufig eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erreichen.
Viele Tiere können dadurch über Jahre aktiv und schmerzärmer leben.
Wichtiger Hinweis
Die in diesem Beitrag beschriebenen naturheilkundlichen Verfahren dienen ausschließlich als mögliche ergänzende Maßnahmen im Rahmen eines ganzheitlichen Therapiekonzeptes. Sie ersetzen weder die Untersuchung noch die Diagnose oder Behandlung durch einen Tierarzt. Welche Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, sollte stets individuell und unter Berücksichtigung des Gesundheitszustandes des Tieres entschieden werden.
Quellen
- American College of Veterinary Surgeons – Informationen zu degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates.
- World Small Animal Veterinary Association – Leitlinien zum Schmerzmanagement und zur Orthopädie.
- American Association of Equine Practitioners – Fachinformationen zu Rückenerkrankungen und Lahmheiten beim Pferd.
- Fachliteratur zur Veterinärophysiotherapie, Osteopathie und Schmerztherapie bei Hund und Pferd.