Wirksame Substanzen in Futtermitteln – Teil 3
Leinsamen und Hanf: Omega-3-Fettsäuren als natürliche Signalstoffe
Im ersten Teil unserer Reihe haben wir Hafer und Gerste betrachtet und gesehen, dass Futtermittel weit mehr als reine Energielieferanten sind. Im zweiten Teil standen Mais und Luzerne mit ihren bioaktiven Pflanzenstoffen im Mittelpunkt.
Heute widmen wir uns zwei Futtermitteln, die vor allem für ihren Gehalt an wertvollen Fettsäuren bekannt sind: Leinsamen und Hanf.
Dabei geht es nicht nur um Haut, Fell oder Hufe. Moderne Forschungen zeigen, dass bestimmte Fettsäuren wichtige Signalstoffe darstellen und möglicherweise sogar die Aktivität unserer Gene beeinflussen können.
Leinsamen – die Kraft der Omega-3-Fettsäuren
Leinsamen gehören zu den nährstoffreichsten Saaten überhaupt.
Wichtige Inhaltsstoffe:
Vitamine:
• Vitamin E
• B-Vitamine
Mineralstoffe und Spurenelemente:
• Magnesium
• Kalium
• Phosphor
• Zink
Bioaktive Substanzen:
• Alpha-Linolensäure (ALA)
• Lignane
• Schleimstoffe
• Polyphenole
Alpha-Linolensäure – mehr als nur Fett
Alpha-Linolensäure zählt zu den Omega-3-Fettsäuren.
Während Fette früher vor allem als Energielieferanten betrachtet wurden, weiß man heute, dass sie wichtige Botenstoffe für zahlreiche Stoffwechselprozesse darstellen.
Humanstudien zeigen Zusammenhänge mit:
- PPAR-α
• PPAR-γ
• NF-kB
• SIRT1
Diese Signalwege beeinflussen:
- Entzündungsprozesse
• Fettstoffwechsel
• Energiegewinnung
• Zellregeneration
Besonders interessant ist die Hemmung des entzündungsfördernden Signalweges NF-kB.
Dadurch können Gene beeinflusst werden, die an chronischen Entzündungsprozessen beteiligt sind.
Lignane – natürliche Pflanzenbotenstoffe
Leinsamen enthalten hohe Mengen sogenannter Lignane.
Diese sekundären Pflanzenstoffe werden im Darm von Mikroorganismen umgewandelt.
Dabei entstehen biologisch aktive Verbindungen, die antioxidative Eigenschaften besitzen und möglicherweise epigenetische Regulationsmechanismen beeinflussen können.
Untersucht werden derzeit insbesondere Effekte auf:
- DNA-Methylierung
• Zellschutzmechanismen
• antioxidative Signalwege
Hanf – ein uraltes Futtermittel neu entdeckt
Hanfsamen erleben seit einigen Jahren eine Renaissance in der Tierernährung.
Sie enthalten eine einzigartige Kombination aus Fettsäuren, Eiweiß und bioaktiven Pflanzenstoffen.
Wichtige Inhaltsstoffe:
Vitamine:
• Vitamin E
• B-Vitamine
Mineralstoffe:
• Magnesium
• Eisen
• Zink
• Kalium
Bioaktive Stoffe:
- Omega-3-Fettsäuren
• Omega-6-Fettsäuren
• Phytosterole
• Polyphenole
• Tocopherole
Das besondere Fettsäureverhältnis
Hanf zeichnet sich durch ein ausgewogenes Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren aus.
Diese Fettsäuren werden in Zellmembranen eingebaut und beeinflussen dort zahlreiche Signalwege.
Studien aus der Humanmedizin bringen sie unter anderem mit folgenden Regulatoren in Verbindung:
- PPAR-γ
• AMPK
• Nrf2
Diese Gene und Signalwege spielen eine wichtige Rolle bei:
- Zellschutz
• Energiestoffwechsel
• Entgiftung
• Regeneration
Phytosterole und Polyphenole
Hanfsamen enthalten darüber hinaus Phytosterole und verschiedene Polyphenole.
Diese Stoffe werden mit antioxidativen und entzündungsmodulierenden Eigenschaften in Verbindung gebracht.
Besonders der Nrf2-Signalweg steht hierbei im Fokus aktueller Forschungen.
Durch die Aktivierung von Nrf2 können Gene stimuliert werden, die für die Bildung körpereigener Antioxidantien verantwortlich sind.
Was bedeutet das für das Pferd?
Viele dieser Erkenntnisse stammen bislang aus Humanstudien oder Laboruntersuchungen.
Die beteiligten Signalwege – darunter Nrf2, NF-kB, PPAR und SIRT1 – finden sich jedoch auch beim Pferd.
Deshalb erscheint es biologisch plausibel, dass hochwertige Fettsäuren und bioaktive Pflanzenstoffe auch beim Pferd weit mehr bewirken könnten als eine reine Energieversorgung.
Insbesondere bei:
- Entzündungsprozessen
• Haut- und Fellproblemen
• Stoffwechselbelastungen
• Regeneration
• Sportpferden
könnten diese Zusammenhänge künftig eine noch größere Rolle spielen.
Fazit
Leinsamen und Hanf liefern nicht nur Energie und hochwertige Fettsäuren.
Sie enthalten eine Vielzahl bioaktiver Substanzen, die mit Entzündungsregulation, Zellschutz, Darmgesundheit und möglicherweise sogar mit der Aktivität bestimmter Gene in Verbindung stehen.
Damit gehören sie zu den spannendsten Futtermitteln der modernen Pferdeernährung.
Im nächsten Teil unserer Reihe beschäftigen wir uns mit Kräutern und sekundären Pflanzenstoffen – natürlichen Signalgebern mit erstaunlichem Potenzial für Stoffwechsel, Mikrobiom und Epigenetik.