Wirksame Substanzen in Futtermitteln – Teil 2
Mais und Luzerne: Zellschutz, Stoffwechsel und epigenetische Signalwege
Im ersten Teil dieser Reihe haben wir gesehen, dass Futtermittel weit mehr sind als reine Energie- oder Eiweißlieferanten. Viele Pflanzen enthalten bioaktive Substanzen, die Stoffwechselprozesse beeinflussen und möglicherweise sogar auf die Aktivität unserer Gene wirken können.
Auch Mais und Luzerne gehören zu den Futtermitteln, die oft auf ihre Energie- oder Eiweißwerte reduziert werden. Dabei steckt deutlich mehr in ihnen.
Mais – mehr als Stärke
Mais wird in der Pferdefütterung häufig als Energielieferant eingesetzt. Durch seinen hohen Stärkegehalt liefert er konzentrierte Energie, enthält aber gleichzeitig eine Reihe interessanter Mikronährstoffe und Pflanzenstoffe.
Wichtige Inhaltsstoffe:
Vitamine:
• Vitamin E
• verschiedene B-Vitamine
Mineralstoffe und Spurenelemente:
• Magnesium
• Phosphor
• Kalium
Bioaktive Pflanzenstoffe:
• Lutein
• Zeaxanthin
• Ferulasäure
• Carotinoide
• Polyphenole
Lutein und Zeaxanthin – Schutzstoffe der Natur
Lutein und Zeaxanthin gehören zur Gruppe der Carotinoide.
Diese Stoffe wirken als Antioxidantien und schützen Zellmembranen vor oxidativem Stress.
Humanstudien zeigen Zusammenhänge mit der Aktivierung des Nrf2-Signalwegs.
Nrf2 reguliert zahlreiche Gene, die für den Zellschutz verantwortlich sind:
- SOD
• GPX
• HO-1
Diese Gene finden sich auch beim Pferd und sind für die Abwehr freier Radikale von großer Bedeutung.
Gerade bei Sportpferden oder Pferden mit erhöhtem Stoffwechselstress könnten solche Mechanismen interessant sein.
Ferulasäure – unterschätzter Pflanzenstoff
Ferulasäure gehört zu den Phenolsäuren und kommt in vielen Getreidearten vor.
In wissenschaftlichen Untersuchungen werden ihr folgende Eigenschaften zugeschrieben:
- antioxidativ
• entzündungsmodulierend
• zellschützend
Darüber hinaus werden Zusammenhänge mit den Signalwegen NF-kB und Nrf2 beschrieben.
Diese Signalwege beeinflussen Prozesse wie:
- Entzündungsregulation
• Zellalterung
• Regeneration
• Immunfunktion
Luzerne – die Königin der Eiweißpflanzen
Luzerne zählt zu den wertvollsten Futterpflanzen überhaupt.
Sie liefert nicht nur hochwertiges Eiweiß, sondern auch eine Vielzahl bioaktiver Substanzen.
Wichtige Inhaltsstoffe:
Vitamine:
• Beta-Carotin
• Vitamin E
• Vitamin K
• B-Vitamine
Mineralstoffe:
• Calcium
• Magnesium
• Kalium
• Eisen
Bioaktive Pflanzenstoffe:
• Isoflavone
• Flavonoide
• Saponine
• Chlorophyll
• Carotinoide
Isoflavone – natürliche Signalstoffe
Isoflavone gehören zu den am besten untersuchten sekundären Pflanzenstoffen.
In Humanstudien werden Zusammenhänge beschrieben mit:
- SIRT1
• AMPK
• PPAR-γ
Diese Regulatoren beeinflussen:
- Energiestoffwechsel
• Fettstoffwechsel
• Entzündungsprozesse
• Zellalterung
• Regeneration
Besonders SIRT1 wird häufig als „Langlebigkeitsgen“ bezeichnet, da es an Reparatur- und Schutzmechanismen der Zelle beteiligt ist.
Saponine – die unterschätzten Helfer
Luzerne enthält außerdem natürliche Saponine.
Diese Stoffe werden mit verschiedenen biologischen Wirkungen in Verbindung gebracht:
- Unterstützung des Immunsystems
• Beeinflussung des Darmmilieus
• antioxidative Effekte
Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Saponine Signalwege beeinflussen können, die an Entzündungs- und Stoffwechselprozessen beteiligt sind.
Was bedeutet das für das Pferd?
Viele Erkenntnisse stammen bislang aus der Humanmedizin oder aus Laborstudien.
Direkte epigenetische Untersuchungen beim Pferd sind noch selten.
Dennoch besitzen Pferde dieselben grundlegenden Regulationssysteme:
- Nrf2
• NF-kB
• SIRT1
• AMPK
• PPAR-γ
Daher erscheint es durchaus plausibel, dass bioaktive Pflanzenstoffe auch beim Pferd ähnliche Signalwege beeinflussen können.
Die Forschung steht hier noch am Anfang, doch die Hinweise werden zunehmend spannender.
Fazit
Mais und Luzerne liefern weit mehr als Energie und Eiweiß.
Carotinoide, Ferulasäure, Isoflavone und Saponine wirken als natürliche Informationsstoffe, die mit Stoffwechsel, Darmgesundheit, Immunfunktion und möglicherweise sogar mit der Aktivität unserer Gene verbunden sind.