Wenn das frische Gras zum Problem wird – Stoffwechselhilfe für Pferde im Frühjahr

Die ersten warmen Tage, saftiges frisches Gras und Pferde, die voller Freude auf die Weide stürmen – für viele Pferdebesitzer ist das der schönste Start in den Frühling. Doch genau diese Zeit birgt auch erhebliche Risiken für den Stoffwechsel unserer Pferde.

Tierärzte berichten gerade in dieser Phase vermehrt von Kolikfällen, Stoffwechselentgleisungen, Hufrehe-Schüben und plötzlichen Verdauungsproblemen. Der Grund liegt oft nicht im Gras selbst, sondern in der zu schnellen Umstellung.

Nach den Wintermonaten ist der Organismus vieler Pferde auf Heu, Stallhaltung und eine eher konstante Fütterung eingestellt. Kommt nun plötzlich junges, eiweiß- und zuckerreiches Frühlingsgras hinzu, geraten Darmflora, Leberstoffwechsel und der gesamte Organismus schnell unter Druck.

Besonders empfindlich reagieren Pferde mit bekannten Stoffwechselproblemen wie EMS, Cushing, Hufrehe-Vorgeschichte oder auch ältere Pferde mit verlangsamtem Stoffwechsel. Aber auch scheinbar gesunde Pferde können plötzlich mit Kotwasser, Blähungen, Koliken, Mattigkeit oder Verhaltensveränderungen auffallen.

Frisches Frühlingsgras enthält hohe Mengen an Fruktanen und leicht verfügbaren Kohlenhydraten. Gerade bei sonnigem Wetter mit kühlen Nächten steigen diese Werte zusätzlich an. Für den empfindlichen Pferdedarm bedeutet das oft Stress. Die Darmflora gerät aus dem Gleichgewicht, Gärungsprozesse nehmen zu und das Risiko für Koliken oder Hufrehe steigt deutlich.

Ein langsames Anweiden ist deshalb keine Empfehlung, sondern eine echte Gesundheitsvorsorge. Schon wenige Minuten kontrollierter Weidegang zu Beginn können helfen, den Stoffwechsel schrittweise anzupassen. Die Weidezeit wird dann langsam über mehrere Wochen gesteigert.

Auch die Leber spielt in dieser Phase eine zentrale Rolle. Sie ist das große Stoffwechselorgan und muss die Umstellung mittragen. Unterstützend können hier bitterstoffhaltige Kräuter wie Mariendistel, Löwenzahn oder Artischocke sinnvoll sein – natürlich individuell angepasst und nicht pauschal.

Ebenso wichtig ist die Darmflora. Präbiotische Unterstützung, eine gute Heuqualität und das Vermeiden plötzlicher Futterwechsel helfen dem Darm, stabil zu bleiben.

Aus osteopathischer Sicht sehen wir häufig Spannungen im Bereich des Zwerchfells, der faszialen Verbindungen des Bauchraums sowie im Bereich von Leber, Darm und Beckenregion. Gerade Pferde, die immer wieder zu Koliken neigen, zeigen oft deutliche funktionelle Einschränkungen, die den gesamten Stoffwechsel zusätzlich belasten.

Auch akupunkturgestützt kann man wunderbar begleiten. Punkte wie Magen 36 zur allgemeinen Stabilisierung und Energie, Milz 6 zur Unterstützung des Stoffwechsels sowie Leber 3 zur Regulation stagnierender Prozesse werden häufig erfolgreich eingesetzt. Natürlich gehört auch hier immer die individuelle Befundung dazu.

Die beste Therapie bleibt jedoch die Vorbeugung. Wer sein Pferd aufmerksam beobachtet, langsam anweidet und Stoffwechsel sowie Verdauung aktiv unterstützt, kann viele Probleme vermeiden, bevor sie überhaupt entstehen.

Denn manchmal ist das frische Gras nicht das Problem – sondern die Geschwindigkeit, mit der wir den Organismus damit konfrontieren.

Gerade im Frühjahr zeigt sich wieder deutlich: Gesundheit beginnt nicht erst bei der Behandlung, sondern bereits im richtigen Management.